Mechthild Feuerstein
 
   
Fotos: Ingo Höhn  
Werther von Jules Massenet
Regie: Stephan Müller
Bühne: Esther Bialas
Kostüme: Mechthild Feuerstein
Theater Luzern, April 2007
  "Ein rauschhaftes Werk... Dem Schweizer Regisseur Stephan Müller gelingt es, indem er in Jules Massenets Oper „Werther“ (1892) nach Goethes Briefroman alles zeitlos auf archetypische Muster reduziert. Im existenzialistisch bedrohten Bürgermief der Fünfzigerjahre (Kostüme: Mechthild Feuerstein) erhalten die Figuren eine irritierende Brüchigkeit. Den Rahmen bildet der nackte Bühnenraum des Luzerner Theaters (Bühne: Esther Bialas). Felsbrocken deuten einen unbehausten Ort an: tote Steine als Projektionsfläche für Werthers pantheistische Naturschwärmerei. Da hineingestellt ist ein Stück Zivilisation: Eine nach hinten perspektivisch verjüngte Hozschachtel steht für das bürgerliche Heim, das im Stück der Geschäftsmann Albert verspricht. Auf Anhieb ist klar, vor welcher Entscheidung Charlotte steht, die (in der Oper) den Schwärmer Werther liebt, aber den zuverlässigen Albert heiratet. ... Müller findet für die Gebrochenheit seiner Figuren suggestiv komponierte Bilder. Wenn Werther sein Jackett auszieht und in den Ärmeln hängen bleibt, sitzt er da sie ein Vogel mit gebrochenen Flügeln. Und wenn Charlotte Werthers Briefe auseinanderfaltet, entpuppen sie sich als Leichentücher."
Neue Luzerner Zeitung, 30.04.07